top of page
Person auf einer gelben Zwischenplattform als Metapher für berufliche Neuorientierung und die bewusste Wahl des nächsten Jobs nach einer Kündigung.

Artikel

Nichts überstürzen

Nach einer Kündigung ist die Versuchung groß, möglichst schnell den nächsten Job anzunehmen. Doch wie bei einer neuen Beziehung lohnt es sich, genauer hinzusehen. Dieser Ratgeber zeigt, warum Reflexion, Passung und ein bewusstes Kennenlernen langfristig die bessere Entscheidung ermöglichen.

Ca. 5 Minuten Lesezeit

Warum für neue Liebe und neue Jobs nach der Trennung die gleichen Regeln gelten

Ein Ratgeber für alle, die nach einer betriebsbedingten Kündigung oder einem Aufhebungsvertrag vor der beruflichen Neuorientierung stehen.


Nach dem ersten Schock beginnt für viele sofort die Jobsuche – und über eine schnelle Anschlussbeschäftigung ist die Erleichterung groß. Warum das nicht immer der beste Weg zu langfristigem beruflichem Erfolg und Zufriedenheit ist, verrät ausgerechnet die Beziehungsforschung.

Manchmal stürzt man sich in Beziehungen und in Jobs mit der gleichen Intensität – nur um festzustellen, dass nicht alles, was glänzt, von Dauer ist.


Eine repräsentative Online-Umfrage von XING (Job-Happiness-Studie, 2023) ergab, dass 50 % aller Deutschen ihren Job schon einmal innerhalb des ersten Jahres wieder gekündigt haben. Die Gründe sind vielfältig: Vor allem ein als zu niedrig empfundenes Gehalt, die Unzufriedenheit mit der Führungskraft und eine unpassende oder schlechte Teamkultur treiben Beschäftigte zur Kündigung innerhalb des ersten Jahres.


Aber auch Unzufriedenheit mit den Arbeitsaufgaben, ein zu hohes Stresslevel und zu viele Überstunden sind Auslöser für eine frühzeitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Für den ersten Job nach einer Entlassung oder Aufhebung ist das Risiko einer schnellen nächsten Kündigung besonders hoch. Denn viele nehmen nach dem überraschenden Jobverlust aus Unsicherheit einen Job an, der gar nicht zu ihnen passt.


Dein nächster Job sollte keine „Übergangspartnerschaft" sein

Um das zu vermeiden, kannst Du von der Beziehungsforschung lernen. Nach einer Scheidung oder der Trennung von einer langjährigen Beziehung neigen viele dazu, sich schnell eine neue Partnerin oder einen neuen Partner zu suchen. Diese sogenannten Übergangspartnerschaften (in der Forschung „Rebound Relationships") haben einen schlechten Ruf. Zu Recht: Laut Studien zerbrechen 65 % dieser Beziehungen innerhalb von sechs Monaten; die Wahrscheinlichkeit, dass sie länger als zwei Jahre halten, liegt bei 19 %.


Allerdings haben Forscher in den USA auch herausgefunden, dass es Menschen mit Übergangspartnerschaften deutlich besser ging als jenen, die sich nach einer schmerzhaften Trennung erst einmal als Single durchschlugen. Sie waren glücklicher, fanden sich selbst attraktiver und hatten ein höheres Selbstbewusstsein – und das nachhaltig. Zwar hatten sie mehr Kontakt zu ihrem alten Partner als die Singles, grenzten sich aber zugleich stärker von ihm ab und trauerten ihm seltener nach.


Nimm Dir Zeit für die Neuorientierung nach einem Jobverlust

Was lässt sich daraus für die eigene berufliche Neuorientierung lernen? Zunächst einmal ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass man nach einer Entlassung oder Aufhebung nicht vorschnell den falschen Job annehmen sollte. Dafür sind zwei Schritte entscheidend.


  1. Finde heraus, welcher Job wirklich zu Dir passt

    Wenn es Deine finanzielle Situation hergibt – etwa dank Freistellung oder Abfindung –, dann nimm Dir bewusst Zeit, um zu reflektieren, was der richtige nächste Schritt ist. Dazu gehört herauszufinden, was Dich antreibt (Deine Motive und Werte), was Du kannst (Deine Stärken) und was aktuell für Dich wichtig ist (Deine Lebenssituation).


    Wir alle haben im Berufsleben gelernt, auch Dinge zu tun, die uns nicht liegen – doch diese Kompensation kostet viel Kraft. Und sie führt letztlich zu genau jener Unzufriedenheit mit den Aufgaben, dem zu hohen Stresslevel und den vielen Überstunden.


    Warum also nicht von vornherein einen Job suchen, der auf Deinen Stärken aufbaut, mit Deinem Wertesystem zusammenpasst und Dich in gesundem Maß herausfordert? Nutze bei dieser Reflexion Vertrauenspersonen als Sparringspartner – idealerweise auch professionelle Anbieter oder Coaches. Diese werden häufig im Rahmen einer Abfindungsvereinbarung vom Arbeitgeber bezahlt (und zwar steuerfrei).


  1. Lerne Deinen neuen Arbeitgeber gut kennen, bevor Du Dich bindest

    Eine landläufige Weisheit lautet: Mitarbeitende kommen wegen eines Jobs und gehen wegen eines Chefs. Da ist etwas dran – der häufigste Grund für Kündigungen innerhalb des ersten Jahres ist laut XING-Studie die Unzufriedenheit mit der Führungskraft (43 % der Befragten). Es lohnt sich also, im Bewerbungsprozess intensiv mit der künftigen Führungskraft ins Gespräch zu gehen: über Erwartungen, Arbeits- und Führungsstil und die konkrete Zusammenarbeit.


    Letztlich ist auch das Bauchgefühl entscheidend – die „Chemie" muss stimmen. Das gilt ebenso für künftige Kolleginnen, Kollegen und gegebenenfalls eigene Mitarbeitende: Ohne ein Kennenlernen solltest Du den Job nicht annehmen. Denn neben der Prüfung des persönlichen Fit bekommst Du so auch ein Gefühl für die Unternehmenskultur.


Such Dir in der Übergangszeit Tätigkeiten, die Dir Bestätigung geben

Und noch etwas lässt sich aus der Forschung lernen: Es ist erwiesen, dass Menschen mit einer positiven, optimistischen Einstellung im Job erfolgreicher sind. Das gilt besonders für die berufliche Neuorientierungsphase. Wer positiv und selbstbewusst in Bewerbungen und Vorstellungsgespräche geht, bekommt mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit die neue Wunschrolle als jemand, der voller Selbstzweifel und Frustration sucht.


Wenn Rebound Relationships uns also nachweislich guttun und positive Emotionen sowie Selbstbewusstsein erzeugen – warum sollte das nicht auch für Jobs gelten? Es muss ja nicht sofort die nächste Festanstellung sein. Denk einmal darüber nach, während der Neuorientierung als Freelancer oder in einer Interim-Rolle zu arbeiten – oder ein soziales Engagement zu übernehmen.

Die dort erlebte Wirksamkeit und positive Bestätigung geben Dir mit Sicherheit einen Schub für Deine Bewerbungen. Vielleicht zeigen sie Dir sogar, dass ganz andere berufliche Wege auf Dauer für Dich interessant sein könnten.


Wo Restart Career unterstützt

Genau in dieser Phase setzt die Arbeit von Restart Career an: bei der strukturierten Reflexion von Motiven, Werten und Stärken, im Coaching als Sparringspartner für die Standortbestimmung und im Newplacement auf dem Weg zur passenden nächsten Rolle. So entsteht kein überstürzter Wechsel in den nächstbesten Job, sondern eine Entscheidung, die langfristig trägt. Häufig übernehmen Arbeitgeber die Kosten für eine solche Begleitung im Rahmen der Abfindungsvereinbarung – steuerfrei.

Manches klärt sich am besten im persönlichen Austausch.

bottom of page