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Podcast

Sabrina Zeplin im OMHR Podcast

Im OMR Jobs & HR Podcast spricht Dr. Sabrina Zeplin, Gründerin und CEO von Restart Career, über Restrukturierungen als Führungsaufgabe. Im Fokus stehen Kommunikation, Trennungsgespräche, Freiwilligenprogramme, Newplacement und die Frage, wie ein gestärkter Neustart gelingt.

Ca. 54 Minuten Hörzeit

Warum Trennungsgespräche so anspruchsvoll sind

Eine Kündigung oder ein Aufhebungsangebot berührt weit mehr als das Arbeitsverhältnis. Für viele Menschen sind Arbeitsplatz, Rolle und Kollegenkreis eng mit der eigenen Identität, Sicherheit und Zugehörigkeit verbunden. Wird diese Verbindung plötzlich infrage gestellt, reagieren Betroffene häufig mit Schock, Ablehnung, Wut oder Rückzug. Diese Reaktionen sind nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass das Gespräch „schiefgelaufen“ ist. Sie gehören zu tiefgreifenden Veränderungsprozessen. Die sogenannte Change Curve beschreibt, wie Menschen Veränderungen typischerweise verarbeiten: von Schock und Verneinung über die Akzeptanz bis hin zu ersten neuen Perspektiven. Für Führungskräfte und HR bedeutet das: Die erste Reaktion muss nicht gelöst werden. Sie muss zunächst ausgehalten und professionell begleitet werden.


Die sieben häufigsten Fehler in Trennungsgesprächen

1. Die Botschaft wird zu lange hinausgezögert

Viele Gesprächsführende beginnen mit einer langen Einleitung:


„Sie wissen ja, wie schwierig die aktuelle Situation ist …“


Das wirkt zunächst vorsichtig, kann aber falsche Hoffnung wecken. Die betroffene Person spürt, dass etwas Unangenehmes kommt, erhält aber keine Orientierung. Die Anspannung steigt – und die eigentliche Botschaft wird oft nur noch bruchstückhaft aufgenommen.


Besser: Kommen Sie nach einer kurzen, respektvollen Begrüßung direkt zum Kern. Benennen Sie die Entscheidung ruhig und eindeutig. Freundlichkeit und Klarheit schließen sich nicht aus.


2. Die Entscheidung wird beschönigt oder relativiert

Formulierungen wie „Vielleicht gibt es noch Möglichkeiten“ oder „Es ist ja noch nichts endgültig“ sind problematisch, wenn die Entscheidung bereits getroffen ist. Sie verlängern die Unsicherheit und können spätere Verhandlungen oder Konflikte verschärfen.


Besser: Sagen Sie klar, worum es geht: um eine Kündigung oder um ein Aufhebungsangebot. Erklären Sie den Zusammenhang kurz und sachlich – ohne die Entscheidung durch vage Formulierungen wieder infrage zu stellen.


3. Das Gespräch ist nicht ausreichend vorbereitet

Die meisten Fehler entstehen nicht im Gespräch selbst, sondern davor. Wenn Rollen, Inhalte oder nächste Schritte ungeklärt sind, wird das Gespräch schnell unstrukturiert. Rückfragen bleiben offen, Aussagen widersprechen sich oder es werden unter Druck Zusagen gemacht, die später nicht eingehalten werden können.


Vor dem Gespräch sollten deshalb mindestens folgende Punkte geklärt sein:


  • Wer führt das Gespräch?

  • Welche Rolle übernimmt HR?

  • Wie lautet die Kernbotschaft in einem Satz?

  • Welche Gründe werden genannt – und wie passen sie in das Gesamtnarrativ?

  • Welche Fristen, Optionen und nächsten Schritte gibt es?

  • Wer beantwortet Fragen nach dem Gespräch?

  • Sind alle rechtlichen und organisatorischen Punkte geprüft?


Besser: Bereiten Sie ein Gesprächsskript mit Schlüsselphrasen und FAQs vor. Üben Sie schwierige Situationen, idealerweise in einem Rollenspiel.


4. Es fehlt an Empathie

Ein rein sachliches Abarbeiten von Fakten mag effizient erscheinen, wird von Betroffenen aber oft als kalt oder respektlos erlebt. Wer nur Kündigungsfrist, Freistellung und Abfindung erläutert, übersieht den Menschen, der diese Informationen gerade verarbeiten muss.

Empathie bedeutet dabei nicht, die Entscheidung zu bedauern oder falsche Hoffnung zu machen. Es bedeutet, die emotionale Situation des Gegenübers wahrzunehmen und anzuerkennen.


Hilfreiche Formulierungen können sein:


  • „Ich sehe, wie belastend diese Nachricht für Sie ist.“

  • „Nehmen Sie sich bitte einen Moment Zeit.“

  • „Ich beantworte Ihre Fragen so präzise wie möglich.“


Besser: Zeigen Sie Mitgefühl, aber kein Mitleid. Bleiben Sie zugewandt, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen.


5. Die Führungskraft solidarisiert sich unangemessen

Sätze wie „Ich finde das selbst unmöglich“ oder „Das war allein die Entscheidung des Vorstands“ wirken vielleicht menschlich, untergraben aber die Glaubwürdigkeit des Gesprächs. Sie distanzieren die Führungskraft vom Unternehmen und eröffnen eine zusätzliche Angriffsfläche.


Besser: Erklären Sie die Entscheidung, ohne sie zu verteidigen oder Schuldige zu benennen. Führungskräfte müssen die Entscheidung nicht persönlich gutheißen, aber sie sollten sie professionell und konsistent vertreten.


Eine klare Rollenteilung hilft dabei:


  • Die Führungskraft steht für Beziehung, Anerkennung und persönliche Wertschätzung.

  • HR sorgt für Prozess, Rahmenbedingungen, rechtliche Klarheit und die nächsten Schritte.


6. Im ersten Gespräch werden zu viele Details erklärt

Nach der Kernbotschaft ist die Aufnahmefähigkeit häufig eingeschränkt. Lange Ausführungen zu Vertragsdetails, Abfindungsberechnungen, Übergaben oder organisatorischen Fragen überfordern schnell.


Besser: Geben Sie zuerst Orientierung: Was ist entschieden? Was passiert als Nächstes? Wer ist ansprechbar? Vereinbaren Sie für Details ein Folgegespräch und stellen Sie die wichtigsten Informationen zusätzlich schriftlich bereit.


Das bedeutet nicht, Fragen abzuwimmeln. Es bedeutet, Informationen zum richtigen Zeitpunkt und in einer verarbeitbaren Menge zu geben.


7. Das Gespräch wird nicht sauber nachbereitet

Mit dem Verlassen des Raumes ist das Trennungsgespräch nicht beendet. Offene Fragen entstehen oft erst später. Außerdem erinnern sich Beteiligte unter emotionalem Druck nicht immer gleich an den Gesprächsverlauf.


Besser: Dokumentieren Sie das Gespräch zeitnah und sachlich. Halten Sie offene Punkte, vereinbarte nächste Schritte und Ansprechpartner fest. Stimmen Sie sich als Führungskraft und HR direkt im Anschluss kurz ab – und planen Sie bewusst Zeit zwischen mehreren Gesprächen ein.


Ein professioneller Ablauf in sieben Schritten

Ein Trennungsgespräch muss nicht lang sein. Es sollte aber klar strukturiert sein.


1. Kurz ankommen

Schaffen Sie eine respektvolle Atmosphäre, vermeiden Sie aber lange Smalltalk-Umwege. Die betroffene Person sollte schnell wissen, worum es geht.


2. Die Botschaft zuerst

Benennen Sie die Entscheidung früh, ruhig und eindeutig.


3. Den Kontext knapp erläutern

Erklären Sie die Gründe sachlich und konsistent. Rechtfertigen Sie sich nicht und vergleichen Sie die Person nicht mit anderen Betroffenen.


4. Reaktion zulassen

Lassen Sie Pausen zu. Halten Sie Schweigen aus. Hören Sie aktiv zu, spiegeln Sie wichtige Aussagen und geben Sie der Person Raum für ihre Reaktion.


5. Fragen beantworten

Antworten Sie so präzise wie möglich. Wenn eine Frage noch nicht beantwortet werden kann, sagen Sie das offen und benennen Sie den nächsten Schritt.


6. Unterstützung und nächste Schritte erläutern

Sprechen Sie über Kündigungsfrist, Freistellung, Übergabe, weitere Termine und konkrete Unterstützungsangebote. Überfrachten Sie das erste Gespräch nicht.


7. Verlässliche Ansprechpartner benennen

Die betroffene Person sollte wissen, wer sich wann meldet und an wen sie sich mit Fragen wenden kann. Verlässlichkeit ist besonders in den ersten Tagen entscheidend.


Was hilft bei Wut, Tränen oder Schock?

Starke Emotionen lassen sich nicht „wegmoderieren“. Sie brauchen zunächst Raum. Das heißt nicht, dass jedes Verhalten akzeptiert werden muss. Beschimpfungen oder Drohungen dürfen klar begrenzt werden. Emotionale Reaktionen sollten jedoch nicht vorschnell als unangemessen oder irrational bewertet werden.

Hilfreich sind drei Grundsätze:

  1. Emotionen anerkennen: „Ich sehe, dass Sie das gerade sehr trifft.“

  2. Pausen zulassen: Nicht jede Stille muss sofort gefüllt werden.

  3. Bei der Sache bleiben: Nicht argumentativ in einen Schlagabtausch geraten.

Vermeiden Sie Beschwichtigungen wie „Kopf hoch“ oder „Das wird schon“. Sie sind meist gut gemeint, vermitteln aber schnell, dass die Reaktion der betroffenen Person nicht ernst genommen wird.

Wenn die Reaktion sehr stark ausfällt, kann es sinnvoll sein, das Gespräch zu unterbrechen. Stellen Sie sicher, dass die Person nicht allein gelassen wird und die nächsten Schritte sowie eine erreichbare Ansprechperson kennt.


Trennungsgespräche im Kontext einer Restrukturierung

Bei einem einzelnen Arbeitsverhältnis bleibt das Gespräch niemals vollständig isoliert. In Restrukturierungen wirkt es im Zusammenspiel mit der Kommunikation des Top-Managements, der Information der Führungskräfte, dem Austausch mit Betriebsrat oder anderen Sozialpartnern und der Kommunikation gegenüber den verbleibenden Mitarbeitenden.


Widersprüchliche Botschaften erzeugen zusätzliche Unsicherheit. Deshalb sollten alle Beteiligten ein gemeinsames Verständnis haben:

  • Warum ist die Veränderung notwendig?

  • Welches Zielbild verfolgt das Unternehmen?

  • Nach welchen Regeln und Kriterien wird entschieden?

  • Welche Unterstützung erhalten Betroffene?

  • Wie werden die Verbleibenden begleitet?


Eine Restrukturierung ist nicht abgeschlossen, wenn die Gespräche geführt und die Verträge unterschrieben sind. Auch die verbleibenden Mitarbeitenden brauchen Orientierung, Dialog und eine glaubwürdige Perspektive. Andernfalls können Angst, Schuldgefühle, Misstrauen und Überlastung die Zusammenarbeit nachhaltig beeinträchtigen.


Newplacement: Unterstützung, die über das Gespräch hinausgeht

Ein professionelles Newplacement-Angebot ersetzt kein gutes Trennungsgespräch. Es kann aber entscheidend dazu beitragen, dass Betroffene schneller wieder Orientierung und Handlungsspielraum gewinnen.


Konkrete Unterstützung signalisiert Wertschätzung und hilft, die nächste berufliche Phase aktiv zu gestalten. Dazu können je nach Bedarf gehören:

  • Stabilisierung und persönliche Standortbestimmung

  • Klärung beruflicher Ziele und Perspektiven

  • Schärfung des Kompetenzprofils

  • Unterstützung bei Bewerbungsunterlagen und Vorstellungsgesprächen

  • Entwicklung einer individuellen Suchstrategie

  • Begleitung bei beruflicher Neuorientierung oder Wechsel in die Selbstständigkeit


Auch für das Unternehmen ist dies relevant: Wer Betroffene professionell begleitet, schützt Vertrauen, Kultur und Arbeitgebermarke – und unterstützt zugleich einen verantwortungsvollen Transformationsprozess.


Kurzcheck: Sind wir bereit für das Gespräch?

Vor dem Termin sollten Sie diese Fragen mit Ja beantworten können:

  • Ist die Kernbotschaft klar und in einem Satz formulierbar?

  • Sind Führungskraft und HR in ihren Rollen abgestimmt?

  • Sind die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen geprüft?

  • Sind die wichtigsten Fragen und Antworten vorbereitet?

  • Ist ein vertraulicher Raum mit ausreichend Zeit reserviert?

  • Ist geregelt, wer nach dem Gespräch erreichbar ist?

  • Sind konkrete Unterstützungsangebote vorbereitet?

  • Ist Zeit für die Nachbereitung eingeplant?


Fazit: Klarheit ist respektvoll

Ein gutes Trennungsgespräch macht eine schwierige Nachricht nicht leicht. Es kann aber verhindern, dass aus der notwendigen Trennung eine zusätzliche Verletzung wird.


Die wichtigste Haltung lautet: klar in der Sache, respektvoll im Umgang und verlässlich in den nächsten Schritten.


Ein Trennungsgespräch ist kein juristischer Akt mit emotionalen Nebenwirkungen. Es ist ein emotionaler Schlüsselmoment mit juristischen Leitplanken. Wer diesen Moment professionell gestaltet, übernimmt Verantwortung – für die betroffene Person, für die Führungskraft und für die Zukunft der Organisation.


Sie möchten Ihre Führungskräfte auf Trennungsgespräche vorbereiten?

Restart Career unterstützt Unternehmen mit Trainings, Rollenspielen und praxisnaher Begleitung bei Trennungsgesprächen, Freiwilligenprogrammen und Restrukturierungen. Ergänzend begleiten wir Mitarbeitende mit modernen Newplacement-Angeboten auf dem Weg in ihre berufliche Zukunft.


Sprechen Sie uns an – wir helfen Ihnen, Trennungsgespräche klar, wertschätzend und professionell zu gestalten.

Manches klärt sich am besten im persönlichen Austausch.

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